Digitale Gesellschaft – was ist das eigentlich?

Eine digitale Gesellschaft ist ohne mobiles Arbeiten nicht denkbar

Wenn ich schon bei der Organisation des Saarcamp 2017 mithelfe, so dachte ich mir, kann ich auch gleich mal an der Blogparade teilnehmen. Ist mein erster Beitrag für eine solche überhaupt. Und welches Thema würde sich da besser eignen, als das Schwerpunktthema des Saarcamps – die Digitale Gesellschaft.

Digitalisierung? Ist doch ein alter Hut…

Immer noch werden wir in den Medien mit Schlagworten wie „Digitalisierung“, „Digitale Gesellschaft“, „Digitale Transformation“ oder „Industrie 4.0“ bombardiert. Aber sind wir doch mal ehrlich – das digitale Zeitalter kommt nicht erst – es ist längst da. Ob im privaten oder beruflichen Bereich, kaum etwas geht doch noch ohne die vielen kleinen, und größeren, digitalen Helferlein unserer Zeit.

Alles Siri oder was?

Nein, mein Kühlschrank bestellt noch nicht von selbst Milch nach und weder Alexa noch Siri sind bei mir zu Hause eingezogen. Trotzdem will ich die schöne neue App-Welt von heute nicht mehr missen. In Spotify schnell ’ne Playlist für die lange Autofahrt zusammen stellen, mir in der Chefkoch-App neue Rezepte ansehen oder die Leo-App nach der Übersetzung eines Wortes befragen, die mir partout nicht einfällt – das sind alles Dinge, die mir das Leben leichter machen. Selbst Facebook nutze ich nun nach langer Verweigerung – aber nur dort kommt man heute noch einigermaßen zuverlässig an Termine für Veranstaltungen, die einen interessieren, wofür man sonst langwierig selbst recherchieren müsste. Es gibt sicher viele weitere Beispiele für sinnvolle digitale Hilfsmittel, an die unsere Eltern noch nicht einmal zu denken gewagt hätten.

Doch was ist der Preis?

Wie alles im Leben kommt auch der digitale Segen nicht ohne Preis. Nicht, dass es viele Apps gäbe, die man kaufen muss. Zumindest direkt, so mit Geld. Aber indirekt bezahlen wir für jede Einzelne. Mit unseren Daten. Jetzt kommt bestimmt wieder jemand,  der sagt: „Ich hab doch nichts zu verbergen, die können das ruhig alles wissen“. Echt? Gut. Dann komm mir aber nicht irgendwann in sicher nicht ganz so ferner Zukunft und jammere rum, dass deine Krankenversicherung teurer geworden ist (weil man genau nachvollziehen kann, welche rezeptfreien Medikamente du gekauft, oder nach welchen Symptomen du gegoogelt hast) oder die neue Autoversicherung den Vertragsabschluss verweigert (weil die Dank der automotiven Telemetrie genau wissen, wie unvorsichtig du fährst). Oder dass die Tochter keinen Job findet, weil sie auf Facebook die wenig schmeichelhaften Bilder einer jeden Wochenendparty postet. Auch wenn das so natürlich keiner sagt im Bewerbungsverfahren.

Keine Sorge, ich male jetzt nicht den Datenschutzteufel an die Wand. Im Grunde wisst ihr das nämlich alle schon. Offen gestanden gibt es ja auch wenig Alternativen – ganz auf die Teilnahme an der digitalen Gesellschaft verzichten? Geht heute ja kaum noch. Aber so ein bisschen Aufpassen auf das, was so digital von einem im Netz herum schwirrt, das kann – und sollte – jeder. Denn: es wird sonst keiner für uns tun.

Digitalisierung der Arbeitswelt

Was im privaten Bereich schon so große Auswirkungen hat, macht natürlich auch keinen Halt vor der Arbeitswelt. Gerade heute, am Tag der Arbeit, sah ich eine Dokumentation über die sogenannte „Industrie 4.0“, in der ganze Werke nur noch mit Robotern bestückt sind. Das lässt natürlich unweigerlich die Frage aufkommen – schadet uns die Digitalisierung, zumindest im Beruf?

Ich kann da nur auf meine Erfahrung als Sekretärin zurück blicken. Ehrlich – ich möchte nicht mehr so arbeiten, wie es die Gründungsmitglieder der bSb Regionalgruppe Saar vor 50 Jahren taten. Bei der Jubiläumsfeier 2015 erzählten sie, was ihren Berufsalltag bestimmte: Briefe schreiben auf der mechanischen Schreibmaschine, Diktate mit Stenoblock und Bleistift aufzeichnen, Kopien mit dem Matrizenkopierer anfertigen… Nicht meine Welt, ehrlich. Das sind Momente, in denen ich dankbar bin für den PC, auf dem ich das hier schreibe.

Stenografin im Bundestag

Es gibt sie noch – die Stenografen. Das Bild zeigt eine Bundestags-Stenografin während einer Debatte im Bundestag. Die Bundestagsstenografen schreiben nicht nur die Worte des Redners mit, sondern notieren gleichzeitig auch Beifall und Zwischenrufe (möglichst mit dem richtigen Namen des Rufers, bzw. der Angabe der Fraktion [der Bundestag hat über 600 Abgeordnete]).

Von der Vorzimmerdame zur Assistentin

Kaum ein Berufsbild hat sich Dank des technischen Fortschritts so gewandelt wie das der Sekretärin. Heute sind wir (in den allermeisten Fällen) nicht mehr nur die „Vorzimmerdamen“, die Kaffee bringen und ab und an mal einen Termin für den Chef oder die Chefin organisieren. Oft sind wir rechte, manchmal auch linke, Hand des Vorgesetzten, managen ihn oder sie von morgens bis abends und halten zwischendrin mehr als einen Rücken frei. Viele von uns managen eigene Projekte und arbeiten viel selbstständiger als noch vor wenigen Jahren. Wir hätten nicht einmal die Zeit dazu, wäre es dank der digitalen Helfer heute nicht so schön einfach, gewisse Routineaufgaben in Minuten zu erledigen, wo wir früher einfach mehr Zeit gebraucht hätten.

Diese vielfältigen Möglichkeiten machen das Berufsbild „Sekretärin“ gerade heute so spannend – und so schwer fassbar. Ich kenne viele Kolleginnen – keine zwei davon haben genau die gleichen Aufgaben in ihrer Firma. Trotzdem gibt es sie immer noch, die beliebten Vorurteile uns gegenüber, die scheinbar nicht aus den Köpfen der Menschen zu bekommen sind.

Können auch Sekretärinnen wegdigitalisiert werden?

In vielen Berufen und Branchen ersetzen heute schon digitale Maschinen oder Roboter die Menschen. Würde das auch bei einer Sekretärin gehen? Ja – und nein.

Gerade die jungen Führungskräfte der Generation Y bewegen sich viel sicherer in der digitalen Welt, als es so manche lang gediente Sekretärin heute tut. Die „Digital Natives“ sind es gewohnt, Dinge schnell von unterwegs aus mit dem Smartphone zu erledigen. Da wird dann schnell der nächste Flug selbst gebucht, Termine abgesprochen, Mails gecheckt und bearbeitet… Einfach so nebenbei. Braucht so jemand dann überhaupt noch eine Sekretärin?

Klar, sage ich. Und das nicht nur, weil ich selbst eine bin und gerne meinen Job behalten will. Auch betriebswirtschaftlich macht es für Unternehmen Sinn, dass die Führungskräfte sich im Tagesgeschäft unterstützen lassen. Denn nur so können sie sich auf ihre eigentlichen Aufgaben konzentrieren. Anders ausgedrückt – wenn dein Auto kaputt ist, gehst du doch auch zum Profi, zur Werkstatt. Und im Büro ist eine gut ausgebildete, erfahrene Sekretärin der Profi. Punkt. Zusammen können Führungskraft und Assistenz zum Top-Team werden. Digitale Hilfsmittel sind dann das Sahnehäubchen auf der Torte, denn sie machen die Zusammenarbeit einfach und effizient.

Die schöne neue Digitalwelt

Soweit zumindest zur Theorie. In der Praxis scheitert man allerdings oft an der Generationenschere. Wer kennt ihn nicht – den Senior-Chef, der sich alle Emails ausdrucken und in der guten alten Vorgangsmappe vorlegen lässt. Oder die Sekretärin, die trotz aller Schulungsversuche selbst mit den gängigsten Office-Produkten nicht zurechtkommt. Wird so jemand dann mit einem Digital Native konfrontiert, egal auf welcher Seite des Schreibtischs, ist Ärger vorprogrammiert. Da ist dann alleine schon bei der Zusammenstellung der Teams Fingerspitzengefühl gefragt. Doch das fehlt in vielen Personalabteilungen heute noch.

Die schöne neue digitale Welt erfordert von jedem Offenheit für Neues und die Bereitschaft, zu lernen. Ein „Das hab ich aber immer schon so gemacht“ wird künftig aufs berufliche Abstellgleis führen. Zwar muss nicht jeder Chef, jede Assistenz zum Programmierer oder IT-Spezialisten mutieren. Doch jeder muss sich mit den neuen Werkzeugen, die die Digitalisierung uns gebracht hat und noch bringen wird, auseinander setzen. Unternehmer tun gut daran, ihre Führungskräfte und Mitarbeiter auf diesem Weg zu unterstützen, sonst werden sie die Gefolgschaft in die digitale Arbeitswelt verweigern – oder im schlimmsten Fall sabotieren.

Was mich zu meinem letzten Gedankengang in diesem Artikel bringt:

Digitale Gesellschaft – was ist das eigentlich?

Wenn in den Medien von „Digitaler Gesellschaft“ die Rede ist – wer ist das dann eigentlich? Oder was? Kannst du, lieber Leser, mir darauf eine Antwort geben? Wenn ja, schreib mir was dazu in die Kommentare, ich bin gespannt 😉

Für mich bleibt dieser Begriff sehr abstrakt, denn er ist unpersönlich. Wo ist denn der Faktor Mensch in dieser Sache? Sind nicht eigentlich wir, die Menschen, gleichermaßen Erschaffer und Gegenstand dieser „Digitalen Gesellschaft“? Nehmen wir mal kurz an, dass dem so ist – warum lassen wir uns dann, zumindest in meiner Wahrnehmung, so oft bevormunden, wenn es um solche Themen geht? Ist es nicht an uns, an jedem Einzelnen, diesen Prozess aktiv mit zu gestalten?

Manchmal habe ich das Gefühl, dass viele Menschen sich von den Entwicklungen und Möglichkeiten überfordert fühlen. Oder sie gehen zu sorglos damit um, beachten die Risiken nicht, die sich daraus ergeben. Ich glaube, uns bleibt nichts anderes übrig, als wieder die Verantwortung selbst zu übernehmen und nicht länger darauf zu vertrauen, dass irgendjemand schon wissen wird, wohin die Reise der Digitalen Gesellschaft gehen wird. Veranstaltungen wie das Saarcamp sind dazu ein guter Anfang. Aber sicher noch nicht das Ende.

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