Network – Dabei sein ist nicht alles

Beitragsfoto: Netzwerken

Mein erster Blogbeitrag soll dem Thema gewidmet sein, das überhaupt die Grundlage dieses Weblogs ist: dem Netzwerken.

Die Begriffe Network oder Networking sind ja heute in aller Munde. Es gibt unzählige Gruppen, die sich ganz diesem Thema verschrieben haben. Ganze Internetplattformen wie Xing oder Linkedin drehen sich im Grunde genommen nur darum. Sie alle bringen Leute zusammen, die daran interessiert sind, andere Leute zu treffen, die etwas mit ihnen gemeinsam haben, seien es berufliche Gründe oder private. Aber: viele hecheln quasi von Veranstaltung zu Veranstaltung oder von Seminar zu Seminar, weil sie glauben, nur dadurch baut sich ihr Netzwerk auf.

Doch jetzt mal Hand aufs Herz: Das, was jetzt so en vogue ist, machen wir Sekretärinnen (und die paar männlichen Vertreter in unserer Berufsgruppe natürlich auch), doch schon seit jeher, fast schon instinktiv. Gerade in unserem beruflichen Umfeld können wir doch unseren Job gar nicht richtig machen, wenn wir uns nicht mit unserer Umgebung vernetzen. Nur würde das kaum einer so nennen.

Netzwerken – ein natürlicher Vorgang

Da ist zum Beispiel der nette Bäcker von nebenan, bei dem wir morgens unser Frühstück kaufen. Ein paar nette Worte gibt’s meist inklusive. Und weil der Bäcker uns so gut kennt und mag, ist es auch kein Problem, mal eben in ein paar Minuten 30 belegte Brötchen für den Geschäftstermin zur geschäftigsten Mittagszeit zu bekommen, wenn der Chef sich mal eben kurzfristig überlegt, doch nicht mit seinen Gästen essen zu gehen.

Oder nehmen wir die nette Vertreterin vom Bürobedarfshändler. Bei jedem Besuch ein paar freundliche Worte, vielleicht an Weihnachten ein kleines Geschenk aus dem Firmenfundus an Kundengeschenken – schon ist die Sonderspezialanfrage fix bearbeitet und die Bestellung zu besten Konditionen erledigt.

Auch innerhalb unseres Arbeitsumfelds netzwerken wir, was das Zeug hält. Der Flurfunk landet meist ganz von alleine bei uns. Wir reden mit allen Kollegen über alle Abteilungen hinweg. Wir bekommen mit, wenn zwei Abteilungen am gleichen Thema arbeiten, ohne voneinander zu wissen und können dafür sorgen, dass Synergien geschaffen werden. Wir erfahren es, wenn es echten Ärger zwischen den Kollegen gibt und können, vorsichtig natürlich, vermitteln. Alles nur durch aktives Zuhören und ein paar wohl überlegte Worte an der richtigen Stelle.

In einigen Firmen gibt es sogar offizielle Mitarbeiternetzwerke, die die Kollegen zusammen bringen. Gerade bei großen Firmen mit mehreren Standorten kann ein solches Netzwerk sehr hilfreich sein, ein Gefühl für den anderen Teil der Firma zu bekommen. Oft wird das Engagement der netzwerkenden Mitarbeiter auch von der Firmenleitung unterstützt.

Das alles ist „Netzwerk“. Es umgibt uns jeden Tag. Wir alle leben darin, nur nutzen Manche ihr Netzwerk aktiver als Andere.

Neue Medien – neues Glück?

Dank der neuen Medien gibt es heute natürlich ungeahnte Möglichkeiten, sein Netzwerk zu erweitern. Das Internet bringt uns alles „Frei Haus“, wir müssen nur noch zugreifen. Stellt sich aber die Frage: Wo? Was ist das Angebot, das uns wirklich weiter bringt?

Um diese Frage zu beantworten, muss man sich erst einmal darüber klar werden, was man erreichen möchte. Berufliches Weiterkommen? Neue Stelle? Erfahrungsaustausch? Je nachdem sind verschiedene Netzwerke sinnvoll, andere weniger. Plattformen wie Xing und Linkedin gelten als Karriereförderer. Hier trifft man vorwiegend berufliche Kontakte, kann mit alten Kollegen in Kontakt bleiben oder sich in den Themenbezogenen Gruppen über professionelle Fragen austauschen. Was den Karriereaspekt angeht, so ist es für unseren Berufsstand doch eher selten, sich von Headhuntern finden zu lassen. Aber für den beruflichen Austausch ist dieses Netzwerk wirklich gut geeignet. Ich kann hier jedem nur die Xing-Gruppe „Assistenz-Netzwerk in Deutschland“ empfehlen. Die Gruppe hat inzwischen fast 900 Mitglieder, die ausschließlich in verschiedensten Versionen des Assistenzberufs tätig sind. Hier findet man regelmäßig Diskussionen über interessante Themen und wenn man mal eine Frage hat, helfen die Mitglieder in der Regel sehr schnell weiter.

Xing-Gruppe Assistenznetzwerk in Deutschland

Xing-Gruppe Assistenznetzwerk in Deutschland

 

Es gibt aber auch Angebote, die sich ganz speziell an Sekretärinnen richten. Der deutsche Berufsverband bSb (Bundesverband Sekretariat und Büromanagement) ist nicht nur eine Organisation von Assistenten für Assistenten, es ist auch eine gute Adresse für qualifizierte Weiterbildungen, denn in jeder größeren Stadt gibt es bSb Institute, die sowohl Ausbildungen (Fremdsprachensekretärin o. ä.) in Vollzeit als auch berufsbegleitende Weiterbildungen als Abendkurse (z. B. Managementassistentin) anbieten. Außerdem gibt es über ganz Deutschland verteilt Regionalgruppen des bSb. Diese Regionalgruppen sind eine super Sache, wenn man Gleichgesinnte aus der Region treffen und sich persönlich und nicht nur digital austauschen möchte. Diese Gruppen bieten auch kleinere Seminare oder Vorträge an, bei denen man sich für sehr kleines Geld ein paar berufliche Anregungen holen oder interessante Themen kennen lernen kann. Ja, auch hier im Saarland gibt es eine solche Gruppe – wer sich das einmal persönlich anschauen möchte, kann sich gerne an mich wenden.

bsb-logo-cd-72

Euma steht für European Management Assistants und bietet ein ähnliches Forum wie der bSb, aber auf internationaler Ebene. Auch diese Gruppe hat Regionalgruppen zu bieten, die nächste vom Saarland aus gesehen ist aber leider erst in Frankfurt.

Geben ist seeliger denn nehmen

Ein Netzwerk, egal in welchem Rahmen, funktioniert aber nicht von allein. Wer erwartet, dass er von seinem Netzwerkumfeld „bespaßt“ wird, ohne etwas dafür zu tun, wird schnell frustriert aufgeben. Sein Netzwerk pflegen heißt eigentlich Beziehungen pflegen. Netzwerken bedeutet also eine gewisse Anstrengung und auch Zeit. Aber diese Investition lohnt sich.

Ein Beispiel: Es ist gut, in einem Berufsverband wie dem bSb Mitglied zu sein. In gut organisierten Verbänden bekommt man öfter mal Informationen über den Beruf oder andere Themen, die diese spezielle Gruppe interessieren. Wirklichen Mehrwert erhält man vor allem, wenn man sich engagiert. Bietet der Verein Treffen oder Seminare an, ist das eine tolle Gelegenheit, die anderen Mitglieder kennen zu lernen und sich für kleines Geld, oder sogar kostenlos, weiter zu bilden. Doch es bedeutet, dass man auch mal nach der Arbeit oder am Wochenende Zeit opfern muss.

Gerade in Internetforen gehört es zum guten Ton, nicht immer nur Fragen zu stellen, sondern auch die Fragen der anderen Mitglieder zu beantworten. Das Ziel einer solchen Gruppe soll es immer sein, sich gegenseitig weiter zu helfen. Erst dann kann man von einem „sozialen“ Netzwerk sprechen, finde ich.

Mitgliederschwund in Verbänden – ist er wirklich unausweichlich heutzutage?

Vielen Verbänden und Vereinen laufen die Mitglieder weg. Oder zumindest kommen keine neuen nach. Unser Berufsverband bSb ist da keine Ausnahme. Warum ist das so? Die Ursachen sind vermutlich sehr vielschichtig und zu umfangreich für eine laienhafte Analyse an dieser Stelle. Doch ein wenig möchte ich da auf meine eigene Erfahrung eingehen.

Letztens sagte eine Sekretärin: „Warum soll ich mich auf eigene Kosten weiterbilden, und dann noch in meiner Freizeit, dass wird vom Chef doch eh nicht gewürdigt.

Ich finde das ist eine sehr erschreckende Aussage. Wir lernen doch nicht für den Chef. Wir lernen für uns. Ich glaube, hinter dieser Aussage steckt vielmehr die heute leider sehr weit verbreitete Einstellung, sich nicht mehr anstrengen zu wollen. Jeder hat viel um die Ohren im Job oder im privaten Umfeld. Oft führt das dazu, dass man in dem bisschen Freizeit, das einem bleibt, zurück zieht, sich entspannen will und vielleicht im Allgemeinen kein großes Interesse an Dingen außerhalb der eigenen vier Wände hat.

Mir ging es ganz genauso. Bis ich eines Tages beschlossen habe, mich nicht mehr von den äußeren Umständen herunterziehen zu lassen. Immerhin ist es mein berufliches Weiterkommen, meine Weiterbildung, von der ich mich abhalten lasse. Klar, es ist nicht immer leicht, alle Termine unter einen Hut zu bekommen und manchmal geht es auch einfach nicht. Aber seit ich mich jetzt aktiv für meinen Beruf engagiere, habe ich schon eine Menge interessanter Kontakte geknüpft und meinen Horizont stetig erweitert. Das allein ist, so finde ich zumindest, jede Anstrengung wert, auch wenn es manchmal nervt.

Doch besonders in unserem Beruf ist es immens wichtig, auch mal „outside of the box“ zu denken, die eingefahrenen Wege zu verlassen und sich Neues anzuschauen. Die Entwicklungen im Büro stehen (zum Glück!) nicht still und will man damit Schritt halten, muss man sich weiter entwickeln. Gleichzeitig ist es schön zu sehen, dass es „da draußen“ auch andere Sekretärinnen gibt, mit denen man sich austauschen kann. Denn wir sind nicht allein und müssen nicht jedes Rad neu erfinden, wenn wir vor einem beruflichen Problem stehen. Warum denn nicht von dem Wissen und der Erfahrung anderer Menschen profitieren? Und sein eigenes Wissen weiter zu geben macht auch Spaß, glaubt es mir.

Mein Fazit dieses langen Beitrags: Traut euch. Springt über euren Schatten und vernetzt euch. Ihr werdet sehen, es macht echt Spaß. Wer weiß, vielleicht fangt ihr so richtig Feuer und gründet euer eigenes Netzwerk. Das wäre doch eine spannende Sache.

Beitragsfoto: Death To The Stock Photo

7 Kommentare

  1. Marion

    Hallo Iris,

    über Deinen XING-Eintrag im ANID-Netzwerk bin ich auf Deinen Blog aufmerksam geworden.

    Herzlichen Glückwunsch zum gelungenen Blog-Start. Ich habe den Eintrag gleich auf Twitter geteilt und den Blog abonniert.

    Freue mich auf interessante Beiträge.

    Grüße in meine alte Heimat 🙂

    Marion

    Antworten
    1. wpadmin

      Hallo Marion

      vielen Dank! Ich freue mich auch immer über Anregungen zu neuen Themen 😉
      Beste Grüße, wohin auch immer 😉
      Iris

      Antworten
  2. Claudia

    Liebe Iris,

    wirklich sehr gelungen dieser Blog. Danke auch für den Hinweis zu unserem ANiD bei XING. Werbung können wir immer gebrauchen. Vor allem auch neue interessierte Mitglieder, die am Austausch untereinander interessiert sind. Auch bei uns finden regelmäßig Treffen in den Regionalgruppen statt.

    Ebenso finde ich auch Berufsverbände wichtig. Selbst wenn man den Beitrag selber zahlt, bringt es einem viel. Es gibt tolle Veranstaltungen zu kleinem Geld und man erweitert so seinen Horizont und lernt neue Kolleginnen und Kollegen kennen. Bin selber auch Mitglied im bSb.

    Frauen neigen allerdings dazu dies nicht so wichtig zu nehmen, wie es unsere männlichen Kollegen tun.

    Viele Grüße
    Claudia

    Antworten
  3. evacum

    Tolle Idee, dein blog. Ich hab ihn über xing gefunden- schwupps sind wir vernetzt. Freu mich auch, dass sämtliche Berufsverbände gennant werden.
    Vor ca. 5 Jahren bin ich in die Familienphase gestartet und habe jetzt das Gefühl, über solche blogs wie deinen und Treffen, Regionalgruppe, etc. wieder rein zu kommen. Ich werd euch brauchen…
    Vielen Dank!
    Katarina

    Antworten
    1. wpadmin

      Hallo Katarina

      Dann toitoitoi für den Wiedereinstieg! Wenn du Fragen hast, kannst du mich sehr gerne anmailen, oder hier posten.

      Sonnige Grüße
      Iris

      Antworten
  4. Pingback: bSb Office Forum | Easy-Office.Tips

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