Paperworld 2017 – ein Rückblick

Auf der Paperworld in Frankfurt findet man viele Produkte rund um das Thema Büro.

Ende Januar fand in Frankfurt wieder die Messe Paperworld statt. Diesmal, muss ich leider sagen, war der Besuch eher enttäuschend.

Die Paperworld ist die alljährliche Ausstellung im Bereich Büromaterial.Auf den ersten Blick hatte die Paperworld auch in diesem Jahr viel zu bieten. Viele Aussteller, viele Stände und viele Produkte. Doch auf den zweiten Blick zeigte sich schnell, dass einige der größeren Hersteller von Büromaterial, wie z. B. Faber Castel, auf der Paperworld gar nicht mehr ausstellen. Darüber hinaus fand ich das Verhalten der meisten Aussteller mir als „einfacher Kundin“ gegenüber eher fragwürdig.

Gut, ich kann verstehen, dass deren erstes Interesse natürlich darin besteht, Großkäufer oder Reseller für ihre Produkte zu finden. Aber mal ehrlich – ich als Endkundin entscheide doch darüber, welche Produkte im Laden gekauft werden und welche zum Ladenhüter werden. Trotzdem war bei vielen Vertrieblern auf den Ständen deutlich zu spüren, dass sie kein Interesse hatten, sich mit mir über ihre Produkte zu unterhalten. Sobald die Frage kam „und von welchem Unternehmen sind Sie?“ und ich sage, dass ich privat unterwegs sei, kühlte das Gespräch merklich ab. Ich finde das zu kurz gedacht.

Eine löbliche Ausnahme hiervon war der Reißwolf-Hersteller HSM. Herr Weiss, Channel Manager für Europa, hat uns durch die Produktausstellung geführt und sehr freundlich alle unsere Fragen beantwortet. Daneben hatte ich auch Gelegenheit, mit Herrn Weiss über die Auswirkungen der Digitalisierung auf das Büro von Morgen zu sprechen. Auch vor einem so etablierten und sehr analogen Gerät wie dem Reißwolf macht die Digitalisierung nicht halt. Die modernsten Geräte im Produktkatalog von HSM verfügen über ein Touch-Display, das den Nutzer über den Status des Gerätes auf dem Laufenden hält und eine bequeme Bedienung ermöglicht.

Doch dabei wird die Entwicklung nicht stehen bleiben, meint Herr Weiss. Seiner Meinung nach wird das Büro der Zukunft sich immer stärker und auch immer schneller verändern. Die technischen Möglichkeiten, die uns heute zur Verfügung stehen, verändern auch die Weise, wie wir arbeiten, und sogar denken. „Live long learning“ sei hier das Motto, das auch für Office-Kräfte aller Art gelte. Nur so könne man mit den Veränderungen Schritt halten und dafür sorgen, auch Morgen noch eine gefragte Arbeitskraft zu sein.

Paperworld – Sonderschau „Büro der Zukunft“

In diesem Jahr hatte die Paperworld das Motto „Büro der Zukunft“ für ihre Sonderschau ausgewählt. Wie sieht das Büro von Morgen ganz praktisch aus? Kann man vorhandene Räume möglichst ökonomisch nutzen  und trotzdem an die immer flexibler werdenden Arbeitsweisen der Büroarbeiter von heute anpassen? Wie können Kommunikation und Austausch innerhalb der Belegschaft gestärkt und gefördert, gleichzeitig aber die Privatsphäre und das Ruhebedürfnis des Einzelnen berücksichtigt werden?

Klar ist: es wird nicht die eine Lösung für alle geben. Jede Firma muss hierfür die eigenen Antworten auf ihre ganz individuellen Fragen finden. Die Visionäre der Paperworld gaben in verschiedenen Stationen der Ausstellung einen Einblick in verschiedene Lösungswege dazu:

  • Eine lange Tafel in einer großen Küche lädt zum gemeinsame Frühstücken – und damit ganz automatisch zum Austausch untereinander ein.
  • Ein Ruheraum mit vielen Grünpflanzen und gemütlichen Sitzsäcken verschafft die oftmals so wenig eingeforderte Entspannung inmitten des hektischen Alltags.
  • Ein kleiner Raum mit Tür mitten im Büro sorgt für Privatsphäre und Ruhe für wichtige Telefonate.

Dies sind nur drei Beispiele aus den 18 Stationen der Ausstellung, die hoffentlich so manche Chefetage beim Thema Raumgestaltung umdenken lässt.

Der Paperworld-Assistenztag

Ein Lichtblick war der Assistenztag, der wie in jedem Jahr mit interessanten Vorträgen Impulse für den (Arbeits-)Alltag gab.

Den inneren Schalter umlegen

Den ersten Vortrag hielt Antony Fedrigotti. Er erklärte uns, wie wir mit unserem eigenen Denken unsere Welt formen und gestalten – und das wir es in der Hand haben, wo die Reise hingeht. In einer sich stets verändernden Welt an alten Denkmustern festzuhalten, verhindere nur unseren Erfolg. Die Macht der Gedanken entscheide darüber, ob wir unter den Umständen, in denen wir leben, leiden, oder ob wir sie als Chance begreifen.

„Die Zeit vergeht – als Pessimist oder als Optimist.“

Um zu einer positiven Grundhaltung zu kommen, rät Herr Fedrigotti dazu, sich zunächst seiner Gedanken bewusst zu werden („Was denke ich“). Dann solle man sich die Frage stellen, ob man mit diesem Denken seine Ziele erreichen würde. Wenn ja, dann kann man diese Gedanken bestärken und dran bleiben. Wenn nein, hilft ein ehrlicher, innerer Dialog dabei, die eigene Sichtweise vom Negativen ins Positive, vom Hinderlichen ins Förderliche zu bringen. Je öfter man diese Art zu denken übe, umso eher trainieren wir unser Gehirn, gleich so zu denken. Wie mit allem sei auch das nur eine Frage der Übung und Beharrlichkeit.

Einfach sympathisch – wertschätzend und positiv kommunizieren

Der nächste Vortrag von Claudia Marbach drehte sich um die Frage: Wie wirke ich sympathisch? In ihrem sehr kurzweiligen Plädoyer für wertschätzende Kommunikation erklärte Frau Marbach die Grundlagen der Körpersprache und der Umgangsformen. Vieles davon wissen und kenne wir alle, wie z. B. dass vor der Brust verschränkte Arme keine offene Körpersprache sind. Frau Marbach machte uns schnell klar, dass viele Menschen, obwohl sie es besser wissen, oft nicht danach handeln.

Oft seien es auch die Kleinigkeiten, die uns sympathisch wirken lassen. Wenn Sie das nächste Mal ins Büro gehen, begrüßen Sie Ihre Kollegen doch einmal mit dem Namen: Ein freundliches „Guten Morgen, Kevin“ statt eines dahin gesagten „Morgen…“ in die Runde wirkt Wunder. Eine weitere unangenehme Angewohnheit sei es, ungefragt Ratschläge zu erteilen. Nicht umsonst stecke in dem Wort „Ratschlag“ der „Schlag“. Höflicher sei es, nachzufragen, ob der Gesprächspartner denn die eigene Meinung hören wolle – und es vor allem zu akzeptieren, wenn er oder sie das nicht will und dann, um Frau Marbach zu zitieren, „die Klappe zu halten“.

Resilienz – echt gelassen bleiben

Im letzten Vortrag des Assistenztages ging es um das Modethema Resilienz. Ralph Goldschmidt führte uns eindrucksvoll vor Augen, dass es nur einen wirklich wichtigen Menschen in unserem Leben gibt: Uns selbst. Alle anderen, seien es Familie, Freunde oder die Kollegen, kommen danach. Denn nur, wenn es uns gut ginge, könnten wir die in uns gesetzten Erwartungen als Frau, Freundin, Mutter oder Angestellte wirklich erfüllen. Nicht auf sich aufzupassen, so die recht provokante These von Herrn Goldschmidt, sei grob fahrlässig bis asozial.

Um gar nicht erst in die Burnout-Situation oder gar eine Depression zu kommen, sei Resilienz ganz wichtig.  Ganz ähnlich wie im ersten Vortrag lief es auch hier darauf hinaus, dass wir mit unseren Gedanken uns selbst beeinflussen – im Negativen wie im Positiven. Der Stress, den wir empfänden, werde dadurch verursacht, dass wir mit dem streiten, was ist, was wir aber nicht ändern können. „Es ist wie es ist – auch ohne deine Zustimmung“ war die Kurzfassung der Tatsache, dass man den Kampf gegen die Realität nicht gewinnen kann. Frei nach dem Motto: „Love it, change it or leave it“ ginge es darum, gelassen mit schwierigen Situationen umzugehen und sich immer wieder bewusst zu fragen, was man aus dem Negativen, das einem gerade wiederfährt, Positives lernen könne.

Alle drei Vorträge fand ich persönlich spannend und konnte ein paar Punkte für mich mit nach Hause nehmen. Mein Fazit für die Paperworld insgesamt ist aber, dass ich wohl im nächsten Jahr nicht mehr hinfahren werde. Dafür war die „Ausbeute“ an neuen Produkten und auch das Verhalten der meisten Aussteller zu ernüchternd.

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